Leitbild

* Im Text wird die männliche Form verwendet. Die Aussagen gelten jedoch immer für beide Geschlechter.

Einleitung
Die Leitideen des IKMP orientieren sich an einem ganzheitlichen Menschenbild. Sie stützen sich auf Haltungen. Diese Haltungen strahlen in Strategien aus und werden sichtbar in Handlungen. Es liegt auf der Hand, dass an einer Ausbildungsinstitution grundsätzlich die Lernenden und die Lehrenden im Zentrum stehen. Sehr rasch kommen die „Drittpersonen“, die zukünftigen Patienten, dazu.

Leitideen wollen und sollen Orientierungspunkte und Wegspuren sein. Sie sollten von allen am Prozess Beteiligten so weit wie möglich akzeptiert und integriert werden. Der Einfluss der Leitideen ist im Curriculum, in aktuellen Unterrichtssituationen und Situationen des täglichen Zusammenlebens sicht-, hör- und spürbar.

Ein Leitbild besteht aus Leitideen
Aus Leitideen ergeben sich folgende Aspekte:

  • Leitideen sollen Wege weisen, ohne die Eigenentwicklung zu behindern.
  • Leitideen sind in einer sich ständig wandelnden Umwelt immer wieder zu überprüfen und wenn nötig anzupassen.
  • Leitideen sollen nicht bevormunden, sonder autonome Entwicklungs- und Lernprozesse ermöglichen und fördern.
  • Leitideen sind auf spezifische Situationen hin zu konkretisieren.

In einer Ausbildungsinstitution steht der Mensch (der Mensch mit Leib, Seele und Geist in einem bestimmten Umfeld und in einer bestimmten Zeit) ganz besonders im Zentrum. Menschen stehen in einem kontinuierlichen Austausch und in einem ständigen Kommunikations- und Anpassungsprozess. Dabei gilt der Grundsatz, dass Menschen in einer Ausbildungssituation nicht kommunizieren können.

Bedürfnisse und Bedürfnisbefriedigung prägen das menschliche Leben. Dabei ergeben sich in Anlehnung an Maslow die folgenden Bedürfnis-Ebenen

  • Bedürfnis nach Überleben
  • Bedürfnis nach Sicherheit
  • Soziale Bedürfnisse
  • Bedürfnisse nach Wertschätzung der Person und der Leistung
  • Selbstverwirklichungsbedürfnisse

 

Für einen Menschen in Ausbildung „laufen“ diese Bedürfnisse automatisch mit und beeinflussen alle Prozesse.

Neben der Tendenz nach höheren Zielen zu streben sind auch negative Entwicklungen, geprägt durch Gefühllosigkeit, durch Unvernunft und durch fehlende Kontrolle möglich. Auch dies ist eine Realität des menschlichen Zusammenlebens.

Entscheidend ist der Umgang mit solchen Situationen. Da auch in der Berufstätigkeit als Therapeut im Allgemeinen und als Masseur FA im besonderen anspruchsvolle kommunikative Prozesse ablaufen und auch Konfliktsituationen entstehen können, ist das Übungsfeld Konflikte im Rahmen der Ausbildung ein wichtiger Förderbereich.

Die Lernenden
Die Lernenden sind in erstmaliger beruflicher Ausbildung, in Zweitausbildung oder aus behinderungsbedingten Gründen in einer Umschulung.

Die Lernenden haben einen Berufsentscheidungprozess hinter sich und haben bewusst den Beruf medizinischer Masseur FA gewählt. Für Sehbehinderte geschieht der Berufsentscheidungsprozess unter spezifischen Rahmenbedingungen.

Die Lernenden wollen sich beruflich bilden und entwickeln. Sie sind bereit an Haltungs-, Verhaltens- und Wissenskompetenzen zu arbeiten.

Die Lern- und Ausbildungskultur im IKMP ist als prozessartiges Geschehen bekannt.

Der medizinische Masseur
Der Beruf Medizinischer Masseur FA stellt hohe Anforderungen an die Selbst- und Sozialkompetenz.

Das Aufbauen und Aufrechterhalten eines Vertrauensverhältnisses zum Klienten/Patienten gehört zu den grundlegenden Erfolgsfaktoren. Dazu kommen das Sammeln, Analysieren und Interpretieren von Informationen und deren entsprechende Dokumentation. Daraus ergibt sich das Planen und Durchführen von Behandlungsmassnahmen. Aspekte der Qualitätsentwicklung sind integrierender Bestandteil der professionellen Arbeit. Beurteilung der Qualität, der Wirksamkeit der Behandlung und die Weiterentwicklung des Berufes sind wichtige Elemente.

Dem Reglement ist zu entnehmen, dass der medizinische Masseur FA folgende Behandlungssituationen gewährleistet:

  • Behandlungssituationen von unterschiedlicher Komplexität
  • Behandlungssituationen, in denen viele verschiedenartige Einflussfaktoren aufeinander wirken

 

Der medizinische Masseur arbeitet in verschiedenen Institutionen des Gesundheitswesen oder in selbständiger Praxis und mit Menschen jeden Alters.

Von diesen Aufgaben her ergeben sich hohe Anforderungen an die Kommunikation, an die Vernetzung und an die Systematik. Das Bilden von klinischen Denkprozessen bildet die Grundlage für das systematische Vorgehen.

Der medizinische Masseur FA kann einen wesentlichen Beitrag im Rahmen des Gesundheitswesens leisten. Die Integration des Berufes im medizinischen System der Schweiz ist eine wichtige Aufgabe der Ausbildungsinstitutionen und vor allem der einzelnen kompetenten Masseure FA. Das eigenständige Berufsbild ist durch diese Personen zu „leben“.

Die Institution IKMP
Zu den Zielen

  • Abstützung auf ethische
    Fachwissen und -können und professionelles Verhalten orientieren sich an den ethischen Grundlagen
  • Unterstützung und Förderung von Verhaltens- und Einstellungsänderungen
  • Verstehen der Auswirkungen von Krisen auf die Person und ihr Umfeld
  • Umsetzung von Behandlungsprinzipien auf unterschiedliche Arbeitssituationen
  • Rahmenbedingungen gestalten
  • Gesundheitsfördernde Massnahmen in das schulische Umfeld integrieren
  • Interdisziplinäre Arbeitsweisen unter Berücksichtigung der Effektivität und Effizienz üben
  • Beitragen zur Weiterentwicklung des Berufs und damit des Berufsbildes
  • Entwicklung des Bewusstseins für die Notwendigkeit der Erhaltung und Erweiterung der beruflichen Kompetenzen durch Fortbildung

Aus diesen Zielen ergeben sich folgende Konsequenzen
Das Schulleben ist geprägt durch Vermittlung von Wissen und Fertigkeiten, aber auch durch Impulse zur Persönlichkeitsentfaltung. Dies gilt für alle an den Prozessen beteiligten Personen.

Zur Umsetzung sind folgende Haltungen – in der Schulatmosphäre sicht-, hör- und spürbar – notwendig und weiter zu entwickeln

  • gegenseitige Wertschätzung und Respekt
  • Verantwortung für das eigene Handeln, Bereitschaft zur Selbstbeurteilung und Offenheit zu Fremdbeurteilung, mit den damit verbundenen Konsequenzen
  • Förderung des Selbstvertrauens der Lernenden
  • Förderung des an den vorgegebenen Zielen orientierten eigenverantwortlichen Lernens
  • Förderung der Unabhängigkeit und der Kreativität der Lernenden
  • Erleben von „win-win“-Situationen, auch bei Konflikten
  • Teamfähigkeit und interdisziplinäre Zusammenarbeit erleben und die entsprechenden Techniken im Zusammenleben üben
  • Professionelle Beziehungen transparent gestalten
  • Spannungen als Normalität und Notwendigkeit anerkennen und konstruktiv damit umgehen
  • Begründete Weisungen akzeptieren
  • Gemeinsam das „Projekt Ausbildung“ aufbauen und als Übungsfeld für die späteren „Therapieprojekte“ nutzen
  • Mit anderen aufbauend zusammenzuarbeiten
  • Spannungen als Chance nutzen, Ressourcen fördern, Spannungen, Konflikte oder Probleme angehen
  • Konstruktiver Umgang mit Kritik

 

Zusammenfassung
Neben der Vermittlung von fachtechnischem Wissen und von praktischen Fertigkeiten zum Medizinischen Masseur FA gehört die Entwicklung von oben erwähnten übergreifenden Schlüsselqualifikationen zum Ausbildungskonzept des IKMP und ist daher Teil des Leitbildes.

  • Entwicklung des Leitbildes durch die beteiligten Gruppen
  • Annahme und Akzeptanz der Leitideen
  • Umsetzung der Leitideen in Planungsgrundlagen (Agogisches Konzept und Curriculum), in Umfeld und in die tägliche Arbeit
  • Überprüfung und Weiterentwicklung des Leitbildes und wenn nötig Anpassung der Leitgedanken

 

Die Leitgedanken sollen alle Ebenen der Ausbildung (Schulleitung, Ausbildner, Lernende) oder anders ausgedrückt sowohl die strategische wie auch die operative Ebene durchdringen. Da die Praktika eine zentrale Rolle in der Ausbildung spielen, gilt dies auch für die Praktikumsorte und die Praktikumsleiter.

Das Leitbild wurde am 22. September 2003 vom Schulrat des IKMP genehmigt.

Akkreditierung der OdA-MM